Haiwelse in Not!

 

Obwohl meine Tante mich schon in Kindertagen von der Aquaristik begeisterte und ich bereits im Alter von sieben Jahren mein erstes kleines Aquarium im Kinderzimmer versorgte, muss ich zugeben, dass ich an die Sache mit den Haiwelsen äußerst naiv ran ging.

 

Es war vor knapp 8 Jahren, die sogenannten „Mini-Haie“ waren gerade „Inn“ und ich stand mit glänzenden Augen im Zoohandel vor einem Becken, in dem sich etliche Mini-Haie tummelten. Damals waren Sie zumindest noch Mini – mit ca. 7 cm. Ich informierte mich zwar, aber überging in meiner Euphorie für die Fische die Größenangabe. Man muss Bedenken, Haiwelse – der beliebte Speisefisch „Pangasius“ kann über 1,50 m groß werden. Unbewusst oder bewusst, wie auch immer, ich kann es leider nicht leugnen, überlas ich die Größenangabe schnell und nahm diese Info nicht wirklich ernst. „Im Aquarium werden die schon nicht so groß“….

 

Also kaufte ich die beiden stolz. In unserer heutigen Gesellschaft ist es leider Gang und Gebe, dass wir immer eine Steigerung brauchen und exotischere, exklusivere müssen her. Es geht oft schon um Extreme, nur um sein kleines Ego aufzuwerten. Nur darum müssen Tiere angeschafft werden, die keine Haustiere sind und denen man niemals auch nur eine annähernd artgerechte Haltung bieten kann. So wurde meine Entscheidung, die Haiwelse anzuschaffen bald zum Verhängnis – für die Tiere und auch für mich.

 

Erst lebten die beiden im meinem 370 l Becken – aber so langsam wurde es dann eng. Also siedelte ich die Fische um in ein 500 l Becken. Das durfte reichen! --- Pustekuchen ---. Die beiden füllten nun das Becken fast aus mit je 50 cm Körpergröße. Sie wuchsen und wuchsen – es war kein Ende in Sicht. Die stressempfindlichen Tiere wurden in der Enge panisch und da Haiwelse sehr schlecht sehen, sind sehr schreckhaft – dass heißt eine schnelle Bewegung vor dem Becken, lies das Becken toben, dass ich oftmals dachte die kraftvollen Tiere sprengten es. Der übrige Fischbesatz litt natürlich ebenso unter dem engen und stressbelastenden Zustand.

 

Die Haiwelse drehten sich mit Mühe und Not einmal im Becken und waren schon wieder am Ende. Es war nicht mehr zu ertragen. Nicht nur für mich – für die Fische schon gar nicht. Ich wollte mich doch freuen wenn ich in das Aquarium sehe – ich empfand es immer als Heilung für die Seele. Aber das was ich da nun sah, war zum heulen. Gequälte Tiere denen die Kapazität von 500 l bei weitem nicht mehr ausreichte. 20000 l wären mal ein Anfang dachte ich mir. Aber das ist für einen Privatmenschen wohl kaum umsetzbar.

 

Die Fische verletzten sich nun täglich, stießen sich die Nasen bei hektischen Bewegungen an der Scheibe auf. Ich konnte es mir nicht mehr mit ansehen. Ich überlegte, was nur andere Leute mit den Tieren machen. Im Internet wurde ich bald fündig. Dort gab es etliche Leute die über diesen Weg ihre Haiwelse los werden wollten. Da brauchte ich also nicht ansetzen. Also begab ich mich ans Werk. Ich telefonierte, mailte mit sämtlichen Sealifes Deutschlands mit dem Kölner, Frankfurter, Münchener Hamburger und mit dem Düsseldorfer Zoo, mit Großhändlern die Schaubecken einrichteten, mit der Fressnapf-Kette, mit Koi-Karpfen Vereinen. Ich dachte die haben mit Sicherheit Connections evtl. Kapazitäten, vielleicht beheitzte Innenteiche, finanzielle Möglichkeiten, da Koi-Haltung ja eher ein gehobenes Hobby darstellt, wenn man es richtig macht. Alle waren sehr nett, wollten mir helfen, aber keiner hat es sich so schwierig vorgestellt. Es kam nichts dabei rum. Ich bot Quarantäne-Kosten an und auch sie bis zum entlegensten Ecke Deutschlands zu transportieren. Nichts tat sich.

 

Ich war verzweifelt, die Lage spitzte sich zu. Ich suchte nach Möglichkeiten, die Tiere auszusetzen, obwohl ich wusste, dass diese Tat aufgrund Flora- und Fauna-Verfälschung geahndet wird. Ist ja vollkommen richtig so. Die Möglichkeit in meiner Nähe hätte sowieso nur im Wölfersheimer See bestanden – ein warmes Industriegewässer – da die Anlagen aber bereits abgeschaltet waren und der See zwischenzeitlich normale Temperaturen auch im Winter angenommen hatte, kam das nicht in Frage. Viele Leute hatten das früher schon gemacht, nach Abschaltung der Anlagen starben die ausgesetzten Barsche, Skalar etc. so dass sogar das Ufer freigeschleppt werden musste.

 

Die Frage blieb, was andere Leute mit den Tieren machten, wahrscheinlich schmeißen sie sie irgendwo in den Fluss. Na Toll! Das ging ja mal gar nicht. Schon fast aufgegeben, googelte ich nach einer einfachen Fischauffangstation – Deutschland und wurde erstaunlicherweise fündig. Ich war begeistert. Diese Familie Schiffer musste unsere Rettung werden. Die engagierte Familie lebte in Aurich, fast 400 km von uns in Niederscheldern in Hessen entfernt. Egal.

 

Zitternd wählte ich die Nummer des ersten offiziellen Fischtierheims in Deutschland. Ein netter Mann nahm den Hörer ab, ich klagte mit zittriger Stimme meine Situation, unser Leid. Sofort versicherte er seine Hilfe und seine Unterstützung. „Wir bekommen die Tiere unter, wir finden eine Lösung“, versicherte er. Ich konnte unser Glück kaum fassen. Endlich ein Lichtblick! Ich war damals vielleicht naiv aber ich habe die Verantwortung für die Tiere die ich mir angeschafft habe zu tragen, koste es was es wolle. Herr Schiffer nahm den Auftrag an und begann mit der Arbeit. Stunden über Stunden telefonierte er mit sämtlichen Einrichtungen, wie Zoos und Vereinen. Er hatte viele Verbindungen und gab alles. Aber eine Unterkunft fand er auch trotz aller Bemühungen nicht. 

Da beschloss er kurzerhand selber einen 1000 l Tank in seinem Schuppen aufzustellen um die Haiwelse dort erst einmal notdürftig artgerecht unterzubringen. Um den Tank im Schuppen unterzubringen, musste er ein Fenster ausbauen, da der Tank natürlich nicht durch die Tür passte. Sehr viel Aufwand für einen guten Zweck!

 

Mein Part war es nun, am vereinbarten Tag, die stressempfindlichen Tiere mit einem Riesen-Kescher aus dem Becken zu fangen und in Kunststoff-Transport-Kisten mit Deckel, die ich von meinem Vater bekam, zu verpacken. Ich besorgte Sauerstofftabletten für die lange Autofahrt, damit die Tiere die Tortur auch überleben. Meine Mutter brachte mir Rescue-Bachblüten zur Beruhigung. Erst träufelte ich den Fischen ein paar Tropfen ins Wasser und dann mir geradewegs in den Mund. Ich war leichenblass und dem Umfallen nahe. Die Nacht hatte ich vor Aufregung nicht geschlafen…mein Wohnzimmer glich einem Schwimmbad und mein Lebensgefährte übernahm beherzt die Führung.

So einfach wie gedacht ließen sich die beiden vor Kraft strotzenden Riesen nicht fangen.

 

Naja, dass es schwierig wird hatte ich ja geahnt, aber dass es zu solch einer Wasserschlacht ausartete, hatte ich dann doch nicht geahnt. Die beiden Haiwelse waren total fertig und hatten sich beim Wehren im Becken etliche Wunden zugezogen. Wer dem Infarkt näher war, die Tiere oder ich, ist schwer zu sagen. Aber endlich gelang es uns, die widerspenstigen Tiere einzufangen und in ihre Transportkiste zu verfrachten. Ich betete dass alles gut ging. Zumal wir unser Auto einen Tag zuvor noch in die Werkstatt bringen mussten, weil es uns beim einkaufen, abgesoffen war. Das war nochmals zusätzlicher Druck. Würde unser Auto den 400 km nicht standhalten, wäre das Überleben der Fische nicht gesichert und die ganze Aktion umsonst? 

Es regnete in Strömen als mein Vater und mein Lebensgefährte die beiden Fischboxen ins Auto trugen und sicherten. Die Fahrt konnte beginnen. Wir kamen recht gut durch, alles lief glatt. Zwischendurch legte ich den Fischen und mir nochmals ein paar Bachblüten nach. Um kurz vor 17.00 Uhr wurden wir schon wartend und herzlich von der Familie Schiffer empfangen. Erst einmal wurden die Fische entladen. Sie lebten! Wir waren erleichtert!



Sie hatten die Fahrt gut überstanden. Aber jetzt musste es schnell gehen, nicht das ihr Kreislauf vor Stress doch noch kippt. Wir setzten die beiden in ihr neues zu Hause ein. Sie akklimatisierten sich schnell.



Herr Schiffer sucht natürlich weiter nach einem geeigneten Platz, aber will vorsichtshalber seinen Schuppen in ein Riesenaquarium umbauen. Wo die beiden, dann zusammen mit zwei noch etwas kleineren Exemplaren vorerst leben können. Die Qualen haben vorläufig ein Ende und das verdanken wir der sehr engagierten, tierlieben und kompetenten Familie Schiffer. Danke, endlich können wir aufatmen!



Liebe Gäste und Besucher unserer Homepage!

 

Wir, die FIASA haben diese Geschichte einmal hier eingesetzt um auch zu zeigen, wie es vor sich gehen kann.

 

Außerdem ist dies ein freundlicher Aufruf an alle Aquaristik-Händler sich zu überlegen, ob man solche Fische wirklich verkaufen muss!

 

Bei dem Händler unseres Vertrauens kann man solche Fische sowie auch andere Großfische nicht erwerben. Das finden wir Vorbildlich!

 

Euer FIASA-Team!